Unterstützte Kommunikation
Kommunikations-App
Kommunikation ist ein menschliches Grundbedürfnis. Doch nach einem Schlaganfall oder anderen neurologischen Erkrankungen kann es schwierig werden, Gedanken, Wünsche und Bedürfnisse auszudrücken – insbesondere dann, wenn Sprechstörungen und körperliche Einschränkungen zusammenkommen.
Um betroffene Menschen und ihre Angehörigen zu unterstützen, stelle ich eine von mir entwickelte Kommunikations-App kostenlos zur Verfügung.
Die App unterstützt gegenwärtig vier Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch. Sollten Sie eine andere Sprache benötigen, können Sie mich gerne kontaktieren.
Das Programm ermöglicht eine barrierearme unterstützte Kommunikation und eignet sich insbesondere für Menschen, die nicht sprechen können und nur eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten haben. Sie arbeitet mit einem auditiven Scanning-Verfahren: Die verfügbaren Auswahlmöglichkeiten werden nacheinander vorgelesen.
Die gewünschte Auswahl kann anschließend mit nur einem einzigen Tastendruck oder Schalter aktiviert werden. Darüber hinaus unterstützt die App verschiedene berührungsfreie Bedienformen. So können Nutzerinnen und Nutzer die Auswahl – bei entsprechender Kalibrierung – auch durch einen Schnalzlaut oder auch durch das bloße Öffnen des Mundes auslösen. Dadurch stehen unterschiedliche Bedienwege zur Verfügung, die an die individuellen Fähigkeiten der betroffenen Person angepasst werden können.
Die Idee zu dieser Anwendung entstand aus der osteopathischen und sprachtherapeutischen Arbeit mit einem Patienten, für den die vorhandenen Kommunikationshilfen zu komplex oder nicht passend waren. So entwickelte sich Schritt für Schritt eine Lösung, die auditive Orientierung mit einer möglichst einfachen Ein-Klick-Bedienung verbindet.
Die Anwendung steht kostenlos zur Verfügung und kann frei genutzt werden. Als Akademischer Sprachtherapeut (M.A.) freue ich mich, auf diese Weise einen kleinen Beitrag zu mehr Selbstständigkeit, Teilhabe und Kommunikation leisten zu können.
Mir war bei der Entwicklung wichtig, die Nutzung so unkompliziert wie möglich zu gestalten. Deshalb läuft die Kommunikationshilfe direkt im Browser und muss nicht installiert werden. Sie kann auf nahezu allen gängigen Geräten und Betriebssystemen verwendet werden – vom Smartphone über das Tablet bis zum Computer (idealerweise zusammen mit Maus oder Trackpad). So steht sie Betroffenen und ihren Angehörigen schnell und ohne technische Hürden zur Verfügung.
Tipp:
Die App am Ipad oder Iphone installieren
Auf dem iPhone oder iPad können Sie die Anwendung in Safari über „Zum Home-Bildschirm“ wie eine normale App auf dem Startbildschirm ablegen. Dadurch ist sie jederzeit mit einem Fingertipp erreichbar und lässt sich besonders komfortabel nutzen. Dann füllt sie den gesamten Bildschirm, wodurch die Bedienung noch störungsfreier wird.
Die App am Computer (PC/Mac) installieren
Um die Kommunikationshilfe am Computer ohne störende Browser-Leisten und im sauberen Vollbildmodus zu nutzen, können Sie sie ebenfalls direkt als App installieren. Klicken Sie dazu einfach oben rechts in der Adresszeile Ihres Browsers (z. B. Google Chrome oder Microsoft Edge) auf das Symbol mit dem Monitor und dem Pfeil nach unten (oder das Plus-Zeichen) und wähle „Installieren“.
Alternativ finden Sie diese Funktion im Browsermenü (die drei Punkte oben rechts) unter Apps \rightarrow „Diese Seite als App installieren“. Die App öffnet sich daraufhin in einem eigenen, separaten Fenster und es wird automatisch eine praktische Verknüpfung auf Ihrem Desktop erstellt.
So funktioniert die Kommunikationshilfe
Besonderes Augenmerk wurde auf eine möglichst einfache Bedienung gelegt. Deshalb ist die eigentliche Kommunikationsfläche so gestaltet, dass
- ein Klick nahezu überall auf dem Bildschirm dieselbe Funktion ausführt: Es wird immer der zuletzt vorgelesene und angezeigte Buchstabe, das Wort oder der Menüpunkt ausgewählt.
- ein Doppelklick die App pausiert bzw. das übergeordnete Menü öffnet.
Nutzerinnen und Nutzer müssen also keine kleinen Schaltflächen gezielt treffen. Die Bedienung bleibt auch bei unruhigen Bewegungen oder eingeschränkter Feinmotorik zuverlässig möglich.
Bedienung per Schnalzen oder Mundöffnung
Für Nutzerinnen und Nutzer, die nur eingeschränkt tippen oder einen Schalter bedienen können, steht zusätzlich eine berührungsfreie Bedienung zur Verfügung. Diese Funktion kann in den technischen Einstellungen aktiviert werden.
Die App unterstützt derzeit zwei Eingabemöglichkeiten:
* Schnalzlaute: Ein kurzer Schnalzlaut wird wie ein normaler Mausklick interpretiert. Zweimal kurz hintereinander Schnalzen entspricht einem Doppelklick.
* Mundöffnung: Alternativ kann die App mithilfe der Frontkamera erkennen, wenn der Mund gezielt geöffnet wird. Auch diese Bewegung wird als Klick ausgewertet.
Beide Verfahren ermöglichen die Bedienung der Kommunikationshilfe, wenn gezielte Hand- oder Fingerbewegungen nur eingeschränkt möglich sind.
Beim ersten Aktivieren fragt der Browser einmalig nach der erforderlichen Berechtigung für Mikrofon bzw. Kamera. Die dabei verarbeiteten Audio- bzw. Bilddaten werden ausschließlich lokal auf Ihrem Gerät ausgewertet und nicht an einen Server übertragen.
Damit die Erkennung möglichst zuverlässig funktioniert, können sowohl die Schnalzerkennung als auch die Munderkennung individuell kalibriert werden. Die App lernt dabei die typische Charakteristik des Schnalzlauts beziehungsweise die persönliche Mundbewegung kennen. Anschließend lässt sich die Empfindlichkeit an die individuellen Fähigkeiten und die jeweilige Umgebung anpassen, um eine möglichst zuverlässige Erkennung bei gleichzeitig geringer Fehlerrate zu erreichen.
Oben rechts befindet sich ein kleiner blauer Start-/Pause-Button. Mit ihm kann das auditive Scanning gestartet oder angehalten werden. Außerdem kann der Patient die App per Doppelklick pausieren.
Nach dem Start stehen vier Hauptmenüs zur Verfügung:
- Alphabet
- Zahlen
- Wörter
- Ich brauche Hilfe
Die Auswahl erfolgt jeweils mit einem einzigen Mausklick, einem externen Schalter, einem Schnalzlaut oder durch das Öffnen des Mundes.
Wird beispielsweise das Menü „Alphabet“ ausgewählt, werden die Buchstaben nacheinander vorgelesen und gleichzeitig auf dem Bildschirm angezeigt. Sobald der gewünschte Buchstabe erscheint, kann er mit einem Klick oder Schnalzen ausgewählt werden. Auf diese Weise lassen sich Buchstaben zu Wörtern zusammensetzen und Gedanken, Wünsche oder Bedürfnisse ausdrücken. Das fertig geschriebene Wort wird anschließend ebenfalls vorgelesen.
Alternativ können über das Menü „Wörter“ häufig benötigte Begriffe im Ganzen ausgewählt werden. Diese lassen sich individuell anpassen und im Einstellungsbereich hinterlegen. Dadurch wird die Kommunikation im Alltag schneller und einfacher.
Für Situationen, in denen unmittelbare Unterstützung benötigt wird, steht das Menü „Ich brauche Hilfe“ zur Verfügung. Nach der Auswahl spricht die App fortlaufend die Aufforderung „Ich brauche Hilfe“, bis eine Person darauf aufmerksam wird.
Zusätzlich befinden sich am oberen Bildschirmrand einige bewusst klein gehaltene Funktionstasten. Über sie können Bezugspersonen
- die App starten oder pausieren
- das Einstellungs-Menü aufrufen
- das Hauptmenü aufrufen
- Eingaben löschen
- noch mehr Funktionen nutzen.
Die geringe Größe dieser Schaltflächen ist beabsichtigt: Sie begünstigt, dass diese Funktionen nicht versehentlich ausgelöst werden und dadurch das auditive Scanning ungewollt pausiert wird.
Eine der Funktionstasten öffnet das Einstellungsmenü. Hier lässt sich die App an die individuellen Fähigkeiten und Bedürfnisse der Nutzerin oder des Nutzers anpassen.
Merke: Persönliche Eingaben, beispielsweise selbst hinterlegte Wörter, werden ausschließlich lokal in Ihrem Browser gespeichert. Daher empfiehlt es sich, diese Eingaben über die entsprechende Backup-Funktion im Einstellungsmenü zu sichern. So können sie bei Bedarf jederzeit wiederhergestellt werden.
Noch ein Hinweis zum Maus-Doppelklick: Standardmäßig ist die App so eingestellt, dass zwischen den beiden Klicks eines Doppelklicks etwas mehr Zeit liegen darf als bei vielen anderen Programmen. Dadurch können auch Menschen mit motorischen Einschränkungen einen Doppelklick leichter ausführen, ohne dass er versehentlich als zwei einzelne Klicks missverstanden wird. Falls nötig, kann diese Einstellung angepasst werden. In den Einstellungen stehen dafür zwei Regler zur Verfügung, mit denen festgelegt werden kann, wie schnell oder langsam die beiden Klicks aufeinander folgen müssen. So lässt sich die Doppelklick-Erkennung optimal an die individuellen Fähigkeiten des jeweiligen Nutzers anpassen.
zealsound USB Podcast Mikrofon für die Schnalzerkennung
Für die Schnalz-Erkennung als Mausklick ist i.d.R. ein externes Mikrofon notwendig, da die Mikrofone in Handy oder Tablet vom Patienten zu weit entfernt sind, um dann noch zuverlässig auslösen zu können. Die Nutzung eines Headsets, also einer Kombination von Kopfhörern und Mikrofon ist i.d.R. eher ungünstig, da dies die Geräte-Lautsprecher z.B. des Ipads unterdrückt, wodurch die App nur noch in den Kopfhörern hörbar ist.
Auf dem iPad wird der eingebaute Lautsprecher leider schon stummgeschaltet, sobald ein externes, professionelles Mikrofon genutzt wird. Allerdings lässt sich kabelgebunden über ein 3,5-mm-Klinkenkabel ein externer Lautsprecher am o.g. Mikrofon anschließen: So bleiben die Ansagen der App weiterhin gut hörbar.